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Aktionen 2015: Fahndung im Grünen

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Tausende Menschen, Forscher wie Laien, packt am GEO-Tag wilder Sammeltrieb. Was sie fanden, worüber sie staunten: eine Auswahl der Veranstaltungen vor Ort 2015

Foto (c) Solvin Zankl/GEO

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Deutschland: Das Rennen der Frühaufsteher

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Foto: (c) Thomas Stephan/GEO

Sie treten an als Gurkentruppe, Usedommeln, Speedbirder oder KorpulEnten. Wer einmal dabei war, macht wieder mit – und jedes Jahr kommen neue Gruppen dazu. 252 Teams gingen beim 12. Birdrace in ganz Deutschland an den Start – über 900 Vogelgucker.

Die Regeln: Zwischen null und 24 Uhr versuchen die Teams, so viele Vogelarten wie möglich innerhalb eines festgelegten Areals zu entdecken. Es zählt jede Spezies, die gesichtet oder gehört wird. Allerdings: Die Mehrheit der Teammitglieder muss den Vogel sicher identifiziert haben. Daran kann es schon einmal scheitern. „Drei quatschen, nur zwei passen auf – und ausgerechnet in diesem Moment fliegt ein Turmfalke vorbei“, sagt Johannes Wahl vom Dachverband Deutscher Avifaunisten (DDA).

Wie erklärt er sich den Erfolg der Aktion? „Uns alle packt an diesem Tag das Jagdfieber. Jeder will natürlich die Konkurrenz schlagen. Und jede Sichtung erzeugt ein ungeheures Hochgefühl. So viele Glückshormone wie an diesem Tag schüttet der Organismus wohl selten aus.“

Johannes Wahl war mit seinem Team in der Region Münster unterwegs. Sein persönliches Highlight: ein Rotmilan. Wahl berichtet jedoch auch von schmerzlichen Lü­ cken: „Seit Jahren haben wir kein Rebhuhn mehr registriert. Auch die Feldlerche ist extrem selten geworden.“

Am Ende eines langen Tages siegte mit 164 Arten das Team Cuxland – zum achten Mal in Folge. Das Bayern München unter den BirdracerTeams hat einen Heimvorteil: Im Kreis Cuxhaven fliegen nicht nur die Vögel des Binnenlandes, sondern auch Seevögel. Den ersten Platz mussten sie sich aber mit Kollegen aus dem Binnenland teilen: Das Team Gätkes Erben aus Lüneburg konnte gleichziehen.

Gefundene Arten: 300
Veranstalter: DDA



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Main-Tauber-Kreis: Arten erkennen - ein Kinderspiel

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Foto: (c) Solvin Zankl/GEO

Man müsste einmal, dachte sich Vanessa Krimmer, Biologin, selber einen GEO-Tag der Artenvielfalt veranstalten. Krimmer lebt in Baden-Württemberg, unweit der Werkrealschule Urphar/Lindelbach im Main-Tauber-Kreis. „Da bin ich einfach hin und habe gefragt, ob Interesse besteht, mitzumachen.“

Und ob! Die Lehrer warfen sogar Lehrpläne um, damit sich ihre Schüler auf den Tag der Artenvielfalt vorbereiten konnten. Im Kunstunterricht wurden Tiere und Pflanzen gezeichnet, in Biologie heimische Pflanzenfamilien durchgenommen. Und Vanessa Krimmer zeigte den rund 100 Schülern, auf welche Merkmale sie achten müssen, um eine Art korrekt zu bestimmen.

Mit Keschern und Becherlupen zogen die jungen Entdecker dann am GEOTag in die nahen Wiesen und Wäldchen, durchkämmten Laub, totes Holz, Trockenmauern und kleine Gewässer. Ihre Funde teilten die Schüler anschließend über das Portal Naturgucker (www.naturgucker.de) mit anderen. „Alle waren mit Feuereifer dabei!“, erzählt Vanessa Krimmer. „Im nächsten Jahr machen wir bestimmt wieder mit!“

Gefundene Arten: 112
Veranstalter: Vanessa Krimmer/Werkrealschule Urphar/ Lindelbach

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Kanton Aargau: ein Platz an der Sonne

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Foto: (c) GEO

Je größer die Besonderheit eines Gebiets, desto höher die Chance, dort seltene Arten zu finden. 1980 legten die Betreiber den Steinbruch Schümel still. Heute steht das Areal im Schweizer Kanton Aargau unter Naturschutz. Biologen entdeckten am GEO-Tag an den trockenen, felsigen Standorten botanische Raritäten wie den Gefransten Enzian oder den Blauen Steinsamen.

Die Blauflügelige Ödlandschnecke trägt ihr bevorzugtes Terrain im Namen – und tauchte ebenfalls auf. Die flachen Weiher auf dem Gelände besiedeln Gelbbauchunken und Geburtshelferkröten. Außerdem zählten die Experten in Schümel 60 Schneckenspezies. „Dabei sind für den ganzen Kanton nur 28 Arten gemeldet!“, sagt Lukas Kammermacher vom Naturmuseum Naturama.

Für Besucher hatte der Veranstalter des GEO-Tags im Steinbruch einen „Pfad der Artenvielfalt“ angelegt: Längs des Wegs informierten Geologen über die Millionen Jahre alte Kalksteinformation, Imker stellten ihre Bienenstöcke vor, eine Drohne schickte Livebilder aus dem Gebiet.

„Am Ende des Pfads hatten wir noch Marktstände aufgebaut“, erzählt Kammermann. „Aber das Programm war offensichtlich so spannend, dass viele Besucher dort gar nicht ankamen.“

Gefundene Arten: über 1200
Veranstalter: das Aargauer Naturmuseum Naturama

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Maulbronn: Mausohr und Mauerblümchen

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Foto: (c) Martin Richter/GEO

Wie eng Natur und Kultur miteinander verwoben sind, erkundeten Experten am Tag der Artenvielfalt in der Klosteranlage Maulbronn. Zisterzienser errichteten die Abtei im Mittelalter, sie gilt heute als die am vollständigsten erhaltene Anlage nördlich der Alpen. In und auf den historischen Mauern hat eine Vielzahl verschiedener Arten eine ökologische Nische gefunden.

Die Große Mausohr-Kolonie in den Gewölben von Maulbronn kennt im gleichnamigen Ort natürlich jeder. Zwischen 700 und 1000 Flezuvor nicht wahrgenommen hatten“, sagt Klaus Timmerberg vom BUND.

In einem Kanal unterhalb der Anlage brütet eine Gebirgsstelze. Auf den über 800 Jahre alten Mauern und Grabsteinen fanden Experten rund 30 Flechtenspezies, darunter etwa die Gelbfrüchtige Schwefelflechte. In die Lichtfallen der Nachtfalterspezialisten geriet eine Art, deren Raupen sich von Flechten ernähren: das Dottergelbe Flechtenbärchen. In vielen Winkeln des Klosters schließlich gedeihen Wildpflanzen wie Schöllkraut oder Mauergipskraut.

1993 wurde Maulbronn zum UNESCO-Weltkulturerbe erklärt. „Seither werden wir immer geschleckter“, sagt Timmerberg. Er befürchte, die Stadtverwaltung könnte auf die Idee kommen, die alten Grabsteine sauber zu schrubben und die Kräuter auszurupfen. „Mit dem GEO-Tag wollten wir die Verantwortlichen auch darauf aufmerksam machen, dass die Natur diese Ecken braucht.“

Gefundene Arten: 230
Veranstalter: BUND

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Bitterfeld: Wo Natur wieder Natur sein darf

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Foto: (c) Solvin Zankl/GEO

Einer der wildesten Winkel Deutschlands liegt südöstlich des ehemaligen DDR-Industriestandorts Bitterfeld: die Goitzsche-Wildnis. Bis 1992 wurde hier Kohle abgebaut, Ende der 1990er Jahre begann man, das Tagebaugebiet zu fluten.

Eine 13 Quadratkilometer große Fläche hat der BUND erworben – und die Natur dort Natur sein lassen.

Einen „bunten Mix verschiedener Lebensraumtypen“, erzählt Falko Heidecke von der BUNDstiftung, durchstreiften rund 30 Experten am GEOTag. Wälder, Trockenrasen, halb offene Landschaften und vor allem viele Gewässer bilden in der Goitzsche-Wildnis ein Mosaik. Neben der Vielfalt der Arten begeisterte die Biologen die große Individuenzahl einzelner Spezies.

Beispiel: der Kormoran. Über 200 Brutpaare haben sich in dem Gebiet angesiedelt. Ihre Nester bauen die geselligen Vögel in abgestorbenen Bäumen inmitten der gefluteten Landschaft. Die Kolonie lebt so in Sicherheit vor einem sich in Deutschland rasch verbreitenden Eierdieb: dem Waschbären.

Gefundene Arten: 415
Veranstalter: BUNDstiftung

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Text: Anke Sparmann
Pageflow: Jochen Vorfelder

Weiter Infos zum GEO-Tag der Artenvielfalt 2016 unter
http://geo-tagderartenvielfalt.de/  

Hamburg, Juni 2016

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